Wenn der Usedomer sonntags promenieren geht

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Nun ist es ja schon seit Kaisers Zeiten bekannt, dass es sich auf Usedoms Promenaden vortrefflich flanieren lässt. Getreu dem Motto „Sehen und gesehen werden“ begeben sich am Sonntagnachmittag auch Einheimische in Wassernähe, um das gerade verspeiste und oftmals üppige Mittagsmahl bei einem entspannten Spaziergang zu verdauen, einen Blick über die Düne zu werfen und ein wenig frischen Ostseewind einzuatmen. Herrlich!
Entscheidet sich nun ein frischluftbedürftiges Inselkind wie ich für ein paar Schritte an der Promenade seines Heimatortes, ist der Sonntagnachmittagsspaziergang in Windeseile vergleichbar mit einem leichten Nacken-Workout. Denn hier und da und dort und schon wieder begegnet einem ein bekanntes Gesicht, das es in jedem Falle zu grüßen gilt. Denn Nichtgegrüßtwerden ist auf Usedom ääääuuuußerst unbeliebt und wird durch den Nichtgegrüßten kurzerhand mit dem einen oder anderen persönlichen Grund belegt und führt unweigerlich zum zukünftigen Ignorieren des Nichtgrüßenden. …was für ein Satz und ein Augenzwinkern, steht sich ;o)
Wie auch immer! Was ich Euch nämlich eigentlich erzählen wollte: Seltsamerweise handelt es sich bei oben erwähntem Flanieren an der Promenade um eine regional begrenzte Eigenheit der Inselbewohner. Was daran zu erkennen ist, dass sich diese Spezies im unmittelbaren Uferbereich der Ostsee viel seltener antreffen lässt. In meinem persönlichen Falle heisst das auch: Gehe ich am Strand spazieren, brauche ich nicht so oft zu grüßen. Auch mal schön!
Die Frage, warum die Insulaner die Promenade bevorzugen, kann ich nicht so leicht beantworten…außer…naja, die Schierker klettern auch nicht jeden Tag auf den Brocken…und da ist doch noch die „Sand in den Schuhen“-Geschichte und …achja, das Meer lenkt einfach vom „Sehen und gesehen werden“ ab… oder so.
Jedenfalls bin ich lieber am Strand unterwegs. Und weil ich weniger sehen und gesehen werden muss, bleibt mehr Zeit für’s Knipsen.

Über die Autorin

Claudia Christel Pautz

Ich lebe und arbeite auf Usedom. Aus meiner Feder stammen neben den hier veröffentlichten Beiträgen auch die Texte der beliebten Usedom-Bildbände "Ein Jahr auf Usedom" und "Ein Jahr auf Usedom - Erinnerungen". Derzeit arbeite ich an einem Buch über meine Lieblingsplätze auf der Insel.

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