über mich

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Als ich das Licht der Welt erblickte, schlug die Uhr fast Mitternacht. Die Insel lag unter einer tiefen Schneedecke verborgen, Straßen waren unbefahrbar, das Stromnetz zusammengebrochen und im Krankenhaus sorgte Notstrom zwar für etwas Licht aber nicht für Wärme. Es wird Zeit, der Insel einen neuen Bewohner zu schenken, dachte sich meine blutjunge Mutter und entließ mich unter Schreien in diese unwirtliche Welt….

So oder so ähnlich erzählt man sich die Geschichte meiner Geburt in der Familie. Dass ich selbst daran keine Erinnerungen habe, dürfte niemand bezweifeln. Meine Leidenschaft für extreme Wettersituationen und Naturschauspiele jedoch verbinde ich gern mit diesen Umständen.

Ich bin aufgewachsen auf einer Insel, die die meisten nur mit Sommerferien verbinden, deren einsame Tage verborgen blieben und deren Verfall sich durch die Wende in ein neues Erwachen verwandelte. Ich war 13 und kein objektiver Zeuge dieser Zeit. Ich habe sie einfach erlebt. Und in der größten Unsicherheit, die ein Mensch nur spüren kann, wenn um ihn herum und in seinem Inneren nichts mehr ist, wie es einst war, war es das Meer, das mir Halt gab. Damals schlug ich meine Wurzeln tief ins Erdreich dieser Insel.

Ich atme, lebe und liebe auf Usedom. Ich genieße die einsamen Wintertage und die lebendigen Sommer. Ich habe Tausende kommen und gehen gesehen. Manche blieben für immer. Ich liebe das Leben in Saisonzeiten, das stetige Anwachsen der Gästezahlen bis es Ende Juli, Anfang August die Insel fast zerreisst. Ich liebe die Melancholie nebliger Herbsttage und Knacken des Eises im Winter. Diese Insel steckt voller Extreme zwischen den mondänen Kaiserbädern und dem verschlafenen Achterland. Das Wetter ist nur eines davon. Und wenn der eisige Nordost seine Wellen an die Küste schickt und ich fasziniert auf der Düne stehe, weiß ich ganz sicher, dass Salzwasser durch meine Adern fließt. An meiner Seite immer ein kleiner Pommernpudel.

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