Der Tag nach gestern

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Zugegeben, Silvester am Strand zu feiern, ist ein besonderes Erlebnis. Auch für viele Insulaner. Tausende Menschen am Strand, Partymusik und sich wunderbar in der Ostsee spiegelndes Feuerwerk. Eine 50 km lange Lichtshow von Peenemünde bis Misdroy. Jeder begrüßt das neue Jahr hier auf seine Weise – mit einer Flasche Sekt oder Champagner, mit Feuerwerk und einfach nur als Zuschauer. Man liegt sich in den Armen, wünscht sich ein Frohes Neues Jahr und hofft, die guten Vorsätze diesmal einhalten zu können. Raketen fliegen, Böller und Fontänen. Je nach Wetterlage wird die Zeit am Strand mehr oder weniger lang genossen, bis es zurück nach Hause, ins Hotel oder in die Ferienwohnung geht. Mit einem Lächeln schläft man ein. Ach herrlich.

Und am Morgen danach gleicht der Strand einem Schlachtfeld. Überall liegen die Überreste der rauschenden Nacht. Zerfetzte Böller, Holzstäbe der abgeschossenen Raketen, Feuerwerksbatterien, Flaschen, Becher, Gläser, Zigarettenstummel, Aschehaufen und noch so vieles mehr. Ein ganzes Meer von Müll. Möwen und Krähen picken darin darum. Es liegt am Strand und schwimmt auf den Ostseewellen. Seit den frühen Morgenstunden sind unzählige Frauen und Männer unterwegs, damit der Neujahrsspaziergang der Gäste ungetrübt bleibt.

Mich macht das einfach nur sauer. Denn selbst wenn all die fleißigen Helfer bis zum Mittag den Strand wieder gesäubert haben, schwimmen die Überreste der Silvesternacht noch wochen- wenn nicht monatelang auf der Ostsee umher und belasten Meer und Tierwelt. Schön ist das nicht und zudem völlig unnötig.

In einigen historischen Städten und Stadtkernen Deutschlands ist das Abschießen von Feuerwerk nicht erlaubt. Es gibt dort große, von den Städten, Hotels und verschiedenen Unterstützern organisierte Feuerwerke in der Silvesternacht. Der Freude tut es keinen Abbruch.

Den Jahreswechsel am Strand zu feiern, ist einfach wunderbar. Und auch Feuerwerk gehört dazu. Aber vielleicht ist es möglich, die wilde Knallerei einzudämmen und das, was die Menschen in jedem Jahr wieder zu uns zieht, auch zu schützen. Die Ostsee ist eine der meist befahrenen Wasserstraßen der Welt und damit schon starken Belastungen ausgesetzt. Und trotzdem gibt sie uns so viel. Sie ist Zuhause und Sehnsuchtsort für viele. Wir genießen ihre Wellen, ihre Strände und ihren Fisch. Wir sollten respektvoller mit ihr umgehen.

Über die Autorin

Claudia Christel Pautz

Ich lebe und arbeite auf Usedom. Aus meiner Feder stammen neben den hier veröffentlichten Beiträgen auch die Texte der beliebten Usedom-Bildbände "Ein Jahr auf Usedom" und "Ein Jahr auf Usedom - Erinnerungen". Derzeit arbeite ich an einem Buch über meine Lieblingsplätze auf der Insel.

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